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Hitschmann, Friedrich: Allerlei. „Der Lyriker“ – „Dichters Trost“. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 6. Heft, S.129. Wien, 15. März 1893.

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Allerlei.

Von
Friedrich Hitschmann.
Nachdruck verboten.

Wer kühn der Lockung in’s Auge sieht,
Der hat die Kraft auch, sie zu besiegen;
Doch wer erst die Versuchung flieht,
Der wird ihr auch gar bald erliegen.

*

Ich liebe den Wein, wenn er feurig und alt ist,
Ich liebe das Bier, wenn es würzig und kalt ist,
Ich liebe ein Weib, wenn’s von schöner Gestalt ist,
Und ich liebe ein Recht, wenn es mehr als Gewalt ist.

*

Der Duft der Blume quillt nicht für die Nase,
Nicht für den Gaumen schäumt der Wein im Glase,
Denn jede Freude ist nur eitler Tand,
So lang’ sie nicht den Weg zum Herzen fand.

*

Leute, welche ihre Ansicht
Stets nach ihrer Absicht wandeln,
Werd’ ich jederzeit mit Vorsicht,
Doch mit Nachsicht nie behandeln.

*

Was heute morgen ist, wird morgen heute sein,
D’rum läßt kein Kluger gern sich auf’s Verschieben ein.

*

Die zähl’ ich zu den besten Frauen,
Der man durch’s Aug’ in’s Herz kann schauen.

*

Eh’ das Erste gethan,
Fang das Zweite nicht an.

*

Ein Gott hat uns in’s Herz gesenkt,
Ein unstillbares Sehnen;
Und daß es uns die Brust nicht sprengt,
D’rum gab es uns die Thränen.

*

Immer der Klüg’re gibt nach; da ist es wol schließlich am Klügsten,
Wenn man bescheidenen Sinns sich für den Dümmern erklärt.

*

Oft mag ein gutes Buch Dir schlechten Rath ertheilen —
Wie sollte ein Recept verschied’ne Uebel heilen?

*

Wir heißen guten Rath gewöhnlich nur willkommen,
Wenn er uns das empfiehlt, was wir uns vorgenommen.

*

Wer auf jede Frage dreist
Antwort gibt, als wär’s im Spiele,
Ist ein ganz erles’ner Geist
Oder auch ein Tropf, wie Viele.

*

Du harrst, wofür sich ein Talent
In Dir wird offenbaren;
Mein Freund, wenn Du nicht vorher stirbst,
So wirst Du es erfahren.

*

Dem Weisen ward vom Schicksal auserlesen
Das schönste Vorrecht, das man denken kann,
Dies, daß er alle Welt beschenken kann,
Und doch so reich stets bleibt als er gewesen.

*

Eine Wahrheit nur gibt’s und unzählige Arten des Irrthums,
D’rum sind die Weisen so rar, ach, und der Thoren so viel.

*

Dummheit und Schlechtigkeit sind die beiden Erbübel der Menschheit,
Aber sie schließen, o Glück, eines das andere aus.

*

Originell willst Du sein, ach, Freundchen, die Sache ist schwierig,
Denn das Absurdeste selbst wurde schon vor Dir gesagt.

*

Einem Feuerwerk gleicht die Begeist’rung der Jugend,
Die einen Augenblick glänzt, dann in die Lüfte verpufft.

*

Ander’n die Wahrheit zu sagen, ist mißlich, ich will es Dir glauben,
Aber noch mißlicher oft ist es, sie selbst zu verdau’n.

*

Schelte, Ihr Freunde, nur nicht zu grausam die giftigen Spötter;
Wenn man es weise gebraucht, wird auch das Gift zur Arznei.

Der Lyriker.

Du möchtest wol ein großer Dichter heißen?
Ich will Dir sagen, wie man das erreicht:
Du mußt das Herz Dir aus dem Leibe reißen,
Daß blutend es der Menge Sinn erweicht.

Zwar wirft man bald Dir’s wieder vor die Füße,
Denn solch ein Anblick übersättigt leicht,
Doch die Momente des Triumphs sind süße,
Und wer sich ihrer freut, den kümmert’s nicht,
Ob er durch lange Qualen auch sie büße.

Mit Blut allein schreibt sich ein gut Gedicht,
Das man für wahr läßt gelten und empfunden,
Das, weil’s vom Herzen kommt, zum Herzen spricht:
Dem Gladiator gleich mußt Du die Wunden,
Die man verbindet sonst mit Sorg’ und Fleiß,
Entblößen vor den Blicken der Gesunden,
So erntest sterbend Du des Beifalls Preis.

Dichters Trost.

Der Dichter hat geschrieben
Mit flammendem Gemüth
Sein Leben und sein Lieben,
Er sprach sie aus im Lied.

Sein Fürchten und sein Hoffen,
Sein Weh’ und auch sein Glück,
Er hat sie klar und offen
Enthüllt vor jedem Blick.

Nun harrt er zweifelsbange,
Ob das wol, was er sang,
In fremder Brust erlange
Den süßen Widerklang.

O, wie entzückt er lauschet,
Wenn traurig bald, bald hell
Von fremder Lippe rauschet
Der eig’ne Liederquell.

Denn jeder dieser Klänge
Ist ihm ein holdes Pfand,
Es schlage in der Menge
Ein Herz, das ihn verstand,

Das, was er selbst durchlebte,
Theilnehmend lebte mit,
Das mit ihm rang und strebte
Und mit ihm klagt’ und litt.

Doch wem so traute Weise
Nie drang an’s trunk’ne Ohr,
Wem der Gesang sich leise
Und ungehört verlor,

Der mag den Blick erheben
Zum Vöglein in dem Laub,
Dess’ Lieder auch verschweben,
Dem flücht’gen West zum Raub,

Auf daß er sich bescheide
Und spreche still zu sich:
Wenn nicht für And’rer Freude,
So klang mein Lied für mich.