Hitschmann, Friedrich: Gedankensplitter. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 1. Heft, S.4. Wien, 1. Januar 1892.

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Gedankensplitter.

Willst dichtend Du Dein tiefstes Herz enthüllen,
So schilt man Dich frivol und indiscret,
Das heißt zu deutsch, Du darfst von dem nur reden,
Was Dir und Andern nicht zu Herzen geht.

*

Talent ist wie die Lieb’ ein eigensinnig Kraut,
Gar oft gedeiht es wild, doch selten wo man’s baut.

*

Ach, was kann ich dafür, so klagt manch’ häßliches Mädchen,
Daß die Natur mich nicht schön, wie so viel and’re, erschuf?
Gar nichts, geb’ ich zur Antwort, doch liegt die Schuld an uns Männern,
Wenn uns ein häßliches Weib nicht wie ein schönes gefällt.

*

Die Thiere sind in manchem Stück gescheiter
Als wir, die wir uns Herrn der Schöpfung nennen,
Sie suchen, wenn sie krank sind, klug die Kräuter,
Die ihren Schmerzen Linderung bringen können,
Wenn wir jedoch uns unzufrieden fühlen,
Dann greifen thöricht wir gar oft nach Schriften,
Die, statt des Fiebers wilde Gluth zu kühlen,
Geist und Gemüth uns nur noch mehr vergiften.

*

Wär’ das Aug’ der Seele Spiegel,
Wie man wol zu sagen pflegt,
Hätten längst schon tausend Menschen,
Schwarze Gläser angelegt.

*

„Er lebte, freite, starb,“ die Grabschrift lockt nicht sehr,
Denn sie besagt: Hier ruht ein Mann, wie and’re mehr,
Doch ist’s weit schlimmer noch, erzählt der Leichenstein:
Hier liegt ein Hagestolz, er lebt’ und starb allein.

Wien.
Friedrich Hitschmann.