Hitschmann, Friedrich: Sprüche. (Aus dem Nachlass). In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 23. Heft, S.533. Wien, 1. Dezember 1894.
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Von
Friedrich Hitschmann.
(Aus dem Nachlaß.)
Nachdruck verboten.
Das Frauenherz ist gütig,
Das Männerherz ist groß,
Es liebt der Mann die Menschheit,
Die Frau die Menschen blos.
*
Ein Herz, das nicht von Wahn bethört,
Mag einer Kirche ähnlich sein,
Drin Beter sich als Beter reih’n
Und Keiner doch den Andern stört.
*
Ein Häuschen wünscht ich mir, seitab vom großen Wege,
Auf dem von ferne nur der Blick des Wand’rers weilt,
Ein kleines Gärtchen dran mit blumigem Gehege,
Und dann ein holdes Weib, das beides mit mir theilt.
*
Geduld ist keine Göttin,
Wie man so oft sie hieß,
Geduld ist auch kein Engel,
Als den man oft sie pries,
Geduld ist nichts als Klugheit,
Die fest und unbewegt,
Was sich nicht läßt vermeiden,
Mit guter Art verträgt.
*
Die Frauenliebe gleicht fürwahr
Der Mondenscheibe ganz und gar,
Geheimnißvoll und dennoch klar,
Ergreift ihr Strahl uns wunderbar,
Doch leider bleibt sie immerdar
Auch ganz wie jene wandelbar.
*
Die Freundschaft heischt nicht allzu strenge Wahl,
Doch in der Liebe muß Du auf der Huth sein,
Denn vielen Menschen kannst zugleich Du gut sein,
Doch wahrhaft lieben nur ein einzigmal.
*
Dem Manne scheint die Lieb’ ein Eiland grün und schön,
Drauf er von wilder Fahrt für Tage fröhlich rastet,
Die Frau, die nicht wie er durch’s Leben stürmt und hastet,
Glaubt in der Liebe selbst ein weites Meer zu seh’n.