Hitschmann, Friedrich: Verliebte Gedanken. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 12. Heft, S.267. Wien, 15. Juni 1893.
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Mein Herz, ich will dich fragen:
Was ist Koketterie?
Das mag der Kopf dir sagen,
Denn ich — ich treib’ sie nie.
*
Entsteht ein Brand in einem Haus,
So läßt sich’s nicht verschweigen,
Die Lohe schlägt zum Dach hinaus,
So ist’s den Bränden eigen.
Auch wenn ein Herz in Lieb’ entbrennt,
Frommt das Verbergen nimmer,
Ob man sie anders auch benennt,
Die Lieb’ verräth sich immer.
*
Ob Du in Wahrheit mich liebst, was braucht es noch weit’rer Beweise,
Da Du geduldig sogar all’ meine Verse erträgst!
*
Die Gespräche zweier Liebenden sind äußerst interessant, aber
blos für sie selber und höchstens noch für den Psychologen, wenn er
sie versteht.
*
Nur das Auge des Liebenden vermag die tiefsten Gedanken im
Buche der Natur zu erkennen. Oder liest er sie etwa erst in das-
selbe hinein?
*
Liebesgedichte sollten stets Manuscript bleiben. Denn ein ge-
drucktes Liebeslied ist und bleibt eine Indiscretion.
Wien.
Friedrich Hitschmann.