Friedrich Hitschmann

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-Hitschmann, Friedrich: Allerlei. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 6. Heft, S.129. Wien, 15. März 1893.+Hitschmann, Friedrich: Allerlei. "Der Lyriker" – "Dichters Trost". In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 6. Heft, S.129. Wien, 15. März 1893.
  
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 Schelte, Ihr Freunde, nur nicht zu grausam die giftigen Spötter;\\ Schelte, Ihr Freunde, nur nicht zu grausam die giftigen Spötter;\\
 Wenn man es weise gebraucht, wird auch das Gift zur Arznei. Wenn man es weise gebraucht, wird auch das Gift zur Arznei.
 +
 +==== Der Lyriker. ====
 +
 +Du möchtest wol ein großer Dichter heißen?\\
 +Ich will Dir sagen, wie man das erreicht:\\
 +Du mußt das Herz Dir aus dem Leibe reißen,\\
 +Daß blutend es der Menge Sinn erweicht.
 +
 +Zwar wirft man bald Dir’s wieder vor die Füße,\\
 +Denn solch ein Anblick übersättigt leicht,\\
 +Doch die Momente des Triumphs sind süße,\\
 +Und wer sich ihrer freut, den kümmert’s nicht,\\
 +Ob er durch lange Qualen auch sie büße.
 +
 +Mit Blut allein schreibt sich ein gut Gedicht,\\
 +Das man für wahr läßt gelten und empfunden,\\
 +Das, weil’s vom Herzen kommt, zum Herzen spricht:\\
 +Dem Gladiator gleich mußt Du die Wunden,\\
 +Die man verbindet sonst mit Sorg’ und Fleiß,\\
 +Entblößen vor den Blicken der Gesunden,\\
 +So erntest sterbend Du des Beifalls Preis.
 +
 +==== Dichters Trost. ====
 +
 +Der Dichter hat geschrieben\\
 +Mit flammendem Gemüth\\
 +Sein Leben und sein Lieben,\\
 +Er sprach sie aus im Lied.
 +
 +Sein Fürchten und sein Hoffen,\\
 +Sein Weh’ und auch sein Glück,\\
 +Er hat sie klar und offen\\
 +Enthüllt vor jedem Blick.
 +
 +Nun harrt er zweifelsbange,\\
 +Ob das wol, was er sang,\\
 +In fremder Brust erlange\\
 +Den süßen Widerklang.
 +
 +O, wie entzückt er lauschet,\\
 +Wenn traurig bald, bald hell\\
 +Von fremder Lippe rauschet\\
 +Der eig’ne Liederquell.
 +
 +Denn jeder dieser Klänge\\
 +Ist ihm ein holdes Pfand,\\
 +Es schlage in der Menge\\
 +Ein Herz, das ihn verstand,
 +
 +Das, was er selbst durchlebte,\\
 +Theilnehmend lebte mit,\\
 +Das mit ihm rang und strebte\\
 +Und mit ihm klagt’ und litt.
 +
 +Doch wem so traute Weise\\
 +Nie drang an’s trunk’ne Ohr,\\
 +Wem der Gesang sich leise\\
 +Und ungehört verlor,
 +
 +Der mag den Blick erheben\\
 +Zum Vöglein in dem Laub,\\
 +Dess’ Lieder auch verschweben,\\
 +Dem flücht’gen West zum Raub,
 +
 +Auf daß er sich bescheide\\
 +Und spreche still zu sich:\\
 +Wenn nicht für And’rer Freude,\\
 +So klang mein Lied für mich.
  
  
friedrich_hitschmann_-_allerlei.1780072859.txt.gz · Zuletzt geändert: 2026/05/29 16:40 von Daniel Schönfeld

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