Friedrich Hitschmann

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 ===== Epigramme. ===== ===== Epigramme. =====
  
 Von\\ Von\\
 **Friedrich Hitschmann.** \\ **Friedrich Hitschmann.** \\
-//(Aus dem Nachlaß.)//+(Aus dem Nachlaß.)
  
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-Mancher schätzt wohl Geld und Gut mitnichten,\\+Mancher schätzt wol Geld und Gut mitnichten,\\
 Weil er’s hat.\\ Weil er’s hat.\\
 ’s ist nicht schwer, auf’s Essen zu verzichten —\\ ’s ist nicht schwer, auf’s Essen zu verzichten —\\
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 Die meisten Menschen fügen gern sich drein,\\ Die meisten Menschen fügen gern sich drein,\\
 Daß man wie Puppen sie an Drähten zieht,\\ Daß man wie Puppen sie an Drähten zieht,\\
-Und bilden sich voll gar noch was d’rauf ein,\\+Und bilden sich wol gar noch was d’rauf ein,\\
 Wenn es mit gold’nen Drähten nur geschieht. Wenn es mit gold’nen Drähten nur geschieht.
  
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-Trägst Du die Freiheit in Dir, so kann kein Despot sie Dir\\ +Trägst Du die Freiheit in Dir, so kann kein Despot sie Dir rauben,\\
-rauben,\\+
 Wenn sie Dir aber gebricht, kann sie kein Gott Dir verleih’n. Wenn sie Dir aber gebricht, kann sie kein Gott Dir verleih’n.
  
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-Wann pflegt der Dumme am dümmsten zu sein? Das geschieht\\ +Wann pflegt der Dumme am dümmsten zu sein? Das geschieht ohne Zweifel\\
-ohne Zweifel\\+
 Wenn er sich vornimmt, einmal recht etwas Kluges zu thun. Wenn er sich vornimmt, einmal recht etwas Kluges zu thun.
  
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-„Ganz wie ich selber,“ so sprach der Falter verdrießlich zur\\ +„Ganz wie ich selber,“ so sprach der Falter verdrießlich zur Biene,\\ 
-Biene,\\ +„Wanderst Du rastlos und saugst Nahrung aus jeglichem Kelch.\\ 
-„Wanderst Du rastlos und saugst Nahrung aus jeglichem Feld.\\ +Dennoch erscheinst Du dem Menschen als Muster des Eifers und Fleißes,\\
-Dennoch erscheinst Du dem Menschen als Muster des Eifers\\ +
-und Fleißes,\\+
 Während er meine Natur unstät und flatterhaft schilt.“\\ Während er meine Natur unstät und flatterhaft schilt.“\\
-„Das ist nicht schwer zu erklären,“ versetzte die Biene. „Der\\ +„Das ist nicht schwer zu erklären,“ versetzte die Biene. „Der Honig,\\
-Honig,\\+
 Den ich bereite, Du weißt’s, kommt ja dem Menschen zugut.“ Den ich bereite, Du weißt’s, kommt ja dem Menschen zugut.“
  
 * *
  
-Liebliches Vorrecht vor Andern genießt bei Euch Frauen der\\ +Liebliches Vorrecht vor Andern genießt bei Euch Frauen der Dichter.\\
-Dichter.\\+
 Was Euch in Prosa mißfällt, hört ihr in Versen doch gern. Was Euch in Prosa mißfällt, hört ihr in Versen doch gern.
  
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-Liebe ist Gnade, sie fragt nicht nach Werth und Verdienst des\\ +Liebe ist Gnade, sie fragt nicht nach Werth und Verdienst des Geliebten,\\
-Geliebten,\\+
 Denn wessen Werth ist so groß, daß er die Liebe verdient?\\ Denn wessen Werth ist so groß, daß er die Liebe verdient?\\
-Lieb’ ist ein Spiegel so töstlich, wie keiner auf Erden sich findet,\\+Lieb’ ist ein Spiegel so köstlich, wie keiner auf Erden sich findet,\\
 Wirft er Dein eigenes Bild Dir doch verschönert zurück. Wirft er Dein eigenes Bild Dir doch verschönert zurück.
  
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 Wer der Menschen Laster nur für Krankheit hält,\\ Wer der Menschen Laster nur für Krankheit hält,\\
 Mag in Frieden leben mit der ganzen Welt,\\ Mag in Frieden leben mit der ganzen Welt,\\
-Aber, der Andern jedes Fehl vergibt,\\+Aber er, der Andern jedes Fehl vergibt,\\
 Wird auch Nachsicht zeigen, wenn er selbst es übt. Wird auch Nachsicht zeigen, wenn er selbst es übt.
  
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-Wenn Du mit Eifer wünschst Dich selbst studiren,\\ +Wenn Du mit Eifer willst Dich selbst studiren,\\ 
-So muß ich Deinen Vorsatz höhnisch loben,\\ +So muß ich Deinen Vorsatz höchlich loben,\\ 
-Nur glaube Dich d’rum der Pflicht nicht überhoben,\\ +Nur glaub’ Dich d’rum der Pflicht nicht überhoben,\\ 
-Gegebenenfalls Dich tüchtig zu regieren.+Gegeb’nenfalls Dich kräftig zu regieren.
  
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Zeile 139: Zeile 133:
 Ihr Thun nach Theorien zu gestalten,\\ Ihr Thun nach Theorien zu gestalten,\\
 Gelingt von allen Menschen wenigen,\\ Gelingt von allen Menschen wenigen,\\
-Die meisten suchen ihr verkehrtes Verhalten\\+Die meisten suchen ein verkehrt Verhalten\\
 Durch Theorie nur zu beschönigen. Durch Theorie nur zu beschönigen.
  
  
friedrich_hitschmann_-_epigramme.1780167752.txt.gz · Zuletzt geändert: 2026/05/30 19:02 von Daniel Schönfeld

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