Friedrich Hitschmann

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Hitschmann, Friedrich: Aphorismen. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 10. Heft, S.226. Wien, 15. Mai 1892.

Online-Version: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=asd&datum=1892&page=260&size=45

Aphorismen.

Nichts ist so gemein, daß es nicht veredelt und nichts so edel,
daß es nicht entweiht werden könnte.

*

Fleck bleibt Fleck, und wär’ er auch von Rosenöl verursacht.

*

Die Werthschätzung der Frau ist der Prüfstein des Mannes.

*

Der Witz ist die Würze des Gesprächs; aber zu viel Würze
verdirbt auch die beste Speise.

*

Vollkommene Menschen kommen nur in gewissen Romanen vor,
die eben darum sehr unvollkommen sind.

*

Ein gutes Compliment ist ein solches, dem man nicht anmerkt,
daß es ein Compliment ist.

*

Ein Kuß ist ein Liebeslied ohne Worte.

*

Das Leben eines Genußmenschen gleicht einer Havannah; beide
sind duftig und kostspielig und beide gehen schließlich in Rauch auf.

*

Wenn Du mit dem Leben spielst, so wird das Leben bald mit
Dir spielen.

*

Die Langeweile gleicht gewissen Giften: wie diese den Körper
tödten, so zerstört sie den Geist langsam, aber unfehlbar.

*

Die meisten Laster sind nur übertriebene Tugenden.

*

Ein Kuß ist oft der Anfang vom Ende.

*

Vergessen können ist ein großes Glück, vergessen werden ein
großes Unglück.

*

Ein gut’ Theil Lebenskunst besteht darin, Kleinigkeiten als solche
zu erkennen und zu behandeln.

Wien.
Friedrich Hitschmann.

friedrich_hitschmann_-_aphorismen_1892_2.txt · Zuletzt geändert: 2026/05/27 12:45 von Daniel Schönfeld

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