Friedrich Hitschmann

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friedrich_hitschmann_-_aphorismen_1892_5

Hitschmann, Friedrich: Aphorismen. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 23. Heft, S.541. Wien, 1. Dezember 1892.

Online-Version: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=asd&datum=1892&page=614&size=45

Aphorismen.

Das Herkommen ist die Brücke des Lahmen und das Vorurtheil
die Brille des Kurzsichtigen.

*

Die Liebe gleicht den Blumen, die uns den höchsten Genuß
gewähren, so lange wir uns ihrer erfreuen, ohne sie zu brechen.

*

Manche Dichter schreiben mit Tinte besser, als Andere mit
ihrem Herzblut.

*

Die glücklichsten Menschen sind Diejenigen, denen es leicht gemacht
wird, gut zu sein.

*

Leben heißt warten.

*

Freundschaft unter Frauen gibt es nicht. Freundinnen betrügen
entweder einander oder sich selbst.

*

Der Anstand gebietet uns, zu scheinen, wie wir sein sollten.

*

Sprichwörter sind die Weisheit der Thoren.

*

„Wie Du mir, so ich Dir,“ sagte der Mensch, und erschlug die
Mücke, die ihn gestochen hatte.

*

Manche Menschen rühmen sich ihrer Fehler, wie andere ihrer
Vorzüge, und es sind die schlimmsten nicht.

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Reichthum ist ein gutes Mittel, aber ein schlechter Zweck.

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Nichts ist widerwärtiger, als Jugendstreiche im Alter.

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Es ist leichter, Liebe zu wollen, als sie zu verlieren.

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Trost ist leichter zu spenden, als anzunehmen.

*

Frauen und Künstler haben viel mit einander gemein. Diese
sind meistens eitel, jene immer; jene sind selten treu, diese nie.

*

Die Einsamkeit kann nur Derjenige lieben, der sich mit sich selbst
in guter Gesellschaft wähnt.

*

Phrasen sind die Scheidemünzen des geistigen Verkehrs.

*

Nicht jede Blüthe wird zur Frucht und nicht jede Hoffnung
erfüllt sich, und doch ziert die Blüthe den Lenz und die Hoffnung
die Tugend.

*

Schmuck kann die Schönheit wol erhöhen, aber nicht schaffen.

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Die Eitelkeit ist die Caricatur des Stolzes.

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Verzeihen ist die beste Rache, nur sind nicht alle Menschen rach-
süchtig.

Wien.
Friedrich Hitschmann.

friedrich_hitschmann_-_aphorismen_1892_5.txt · Zuletzt geändert: 2026/05/28 12:29 von Daniel Schönfeld

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