Hitschmann, Friedrich: Gedankensplitter. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 14. Heft, S.328. Wien, 15. Juli 1891.
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Gedankensplitter.
Eine geistvolle Frau ist ein Schatz, so rief ich begeistert.
Wegen der Seltenheit wol, meinte ein Witzling darauf.
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Thoren magst Du belehren und von den Weiseren lernen,
Aber mit Gleichen allein kannst Du des Lebens Dich freu’n.
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Manchen wol könnt’ ich Dir nennen, der trefflich zu reden im Stand’ ist,
Aber nur Wenige, ach, die auch zu schweigen versteh’n.
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Stark zwar schwinget die Keule der Mann, doch die spitzige Nadel
Klug zu gebrauchen, versteht nur eine weibliche Hand.
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Langeweile ist peinlich, wenn man sie durch Andere empfindet,
Aber weit peinlicher noch, wenn man sie selber erregt.
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Gäbe Jeder soviel, als er zu verlangen geneigt ist,
Um die Gesellschaft, fürwahr, wär’ es vortrefflich bestellt.
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Die Menschen forschen seit viel tausend Jahren,
Wie Gott die Welt wol hätte machen sollen,
Statt daß sie sich begnügen, zu erfahren,
Wie sie mit ihr in’s Reine kommen sollen.
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In die Tiefen des Weltalls taucht das Genie
Und, ach, sein Erbtheil ist Melancholie,
D’rum danke dem Schicksal, wenn’s nicht gegeben,
Den heiligen Schleier der Göttin zu heben.
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Wer nie das Glück gekannt, kennt auch das Unglück schlecht;
Nur wer das Licht geschaut, fühlt auch das Dunkel recht.
Wien.
Friedrich Hitschmann.