Friedrich Hitschmann

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-Hitschmann, Friedrich: Gedankensplitter. In: KürtCamilla (Hrsg.): Wiener Hausfrauen-ZeitungNr26, S.227. Wien, 26Juni 1892.+Hitschmann, Friedrich: Gedankensplitter. In: LecherZacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen DonauTitelzusatz Beilage der »Presse«, 1Heft, S.4. Wien, 1Januar 1892.
  
-Online-Version: [[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=whz&datum=1892&page=223&size=45|https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=whz&datum=1892&page=223&size=45]]+Online-Version: [[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=asd&datum=1892&page=11&size=45|https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=asd&datum=1892&page=11&size=45]]
  
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-====== Album der Poesie======+=====   Gedankensplitter  =====
  
-===== Gedankensplitter=====+Willst dichtend Du Dein tiefstes Herz enthüllen,\\ 
 +So schilt man Dich frivol und indiscret,\\ 
 +Das heißt zu deutsch, Du darfst von dem nur reden,\\ 
 +Was Dir und Andern nicht zu Herzen geht.
  
-Tief in dem Busen verborgen ruht keimend\\ +*
-die Saat des Talentes,\\ +
-Bis sie der segnende Strahl freundlich\\ +
-zum Leben erweckt.+
  
-<sup>*</sup>  <sub>*</sub> <sup>*</sup>+Talent ist wie die Lieb’ ein eigensinnig Kraut,\\ 
 +Gar oft gedeiht es wild, doch selten wo man’s baut.
  
-Nur eines mir zu geben,\\ +*
-Erbitt' ich vom Geschick:\\ +
-In Freuden möcht' ich leben\\ +
-Und sterben mit meinem Glück.+
  
-<sup>*</sup>  <sub>*</sub> <sup>*</sup>+Ach, was kann ich dafür, so klagt manch’ häßliches Mädchen,\\ 
 +Daß die Natur mich nicht schön, wie so viel and’re, erschuf?\\ 
 +Gar nichts, geb’ ich zur Antwort, doch liegt die Schuld an uns Männern,\\ 
 +Wenn uns ein häßliches Weib nicht wie ein schönes gefällt.
  
-Das Glück ist nicht des Fleißes Frucht,\\ +*
-Es naht am liebsten ungesucht.+
  
-<sup>*</sup>  <sub>*</sub> <sup>*</sup>+Die Thiere sind in manchem Stück gescheiter\\ 
 +Als wir, die wir uns Herrn der Schöpfung nennen,\\ 
 +Sie suchen, wenn sie krank sind, klug die Kräuter,\\ 
 +Die ihren Schmerzen Linderung bringen können,\\ 
 +Wenn wir jedoch uns unzufrieden fühlen,\\ 
 +Dann greifen thöricht wir gar oft nach Schriften,\\ 
 +Die, statt des Fiebers wilde Gluth zu kühlen,\\ 
 +Geist und Gemüth uns nur noch mehr vergiften.
  
-Die Arbeit ist eines,\\ +*
-Und eins der Genuss,\\ +
-Von denen man keines\\ +
-Verabsäumen muss.+
  
-<sup>*</sup>  <sub>*</sub> <sup>*</sup>+Wär’ das Aug’ der Seele Spiegel,\\ 
 +Wie man wol zu sagen pflegt,\\ 
 +Hätten längst schon tausend Menschen,\\ 
 +Schwarze Gläser angelegt.
  
-Wir sind zu loben gern bereit.\\ +*
-Um selbst gelobt zu werden,\\ +
-Denn leider hat die Eitelkeit\\ +
-Ein weites Reich auf Erden.+
  
-<sup>*</sup>  <sub>*</sub> <sup>*</sup>+„Er lebte, freite, starb,“ die Grabschrift lockt nicht sehr,\\ 
 +Denn sie besagt: Hier ruht ein Mann, wie and’re mehr,\\ 
 +Doch ist’s weit schlimmer noch, erzählt der Leichenstein:\\ 
 +Hier liegt ein Hagestolz, er lebt’ und starb allein.
  
-Weil du die Eitelkeit gestehst,\\ +**Wien.** \\ 
-So glaubst du, dass du ihr entgehst,\\ +**Friedrich Hitschmann.**
-Und doch ist die Bescheidenheit\\ +
-Hier selbst nichts mehr als Eitelkeit. +
- +
-Friedr. Hitschmann.+
  
  
friedrich_hitschmann_-_gedankensplitter_1892.1732142484.txt.gz · Zuletzt geändert: 2024/11/20 22:41 von Daniel Schönfeld

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