Hitschmann, Friedrich: Verliebte Gedanken. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 10. Heft, S.237. Wien, 15. Mai 1893.
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Verliebte Gedanken.
Was ist Liebe? Wer es weiß, dem braucht man es nicht zu
erklären, und wer es nicht an sich selbst erfahren hat, dem können es
Worte nicht sagen.
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Aus der Liebe kann man Alles machen: einen Zeitvertreib, ein
Geschäft, eine Religion, kurz Alles.
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Die schönste Neigung spricht sich oft in den schlechtesten Versen aus.
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Der Hochzeitstag ist nur zu häufig die Grenze zwischen Dichtung
und Wahrheit.
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Sterben ohne geliebt zu haben, heißt sterben ohne gelebt
zu haben.
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Bewunderung, Mitleid und Dankbarkeit sind die Pioniere, die
der Liebe eine Brücke schlagen, aber mitunter verrichten sie ihr Werk
nur mangelhaft, und dann — fällt die Liebe ins Wasser.
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Wenn Du die Liebe in Freundschaft verwandeln willst, so versetze
sie stark mit Verstand, aber gib wohl Acht, daß sie dabei nicht ver-
dorben wird.
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Die Liebe gebietet selbst den Göttern, nur gehorchen sie ihr
nicht immer.
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Die hohle Leidenschaft redet in Superlativen, die Galanterie in
Diminutiven, die wahre Neigung schlicht, aber herzlich und überzeugend.
Wien.
Friedrich Hitschmann.