friedrich_hitschmann_-_aphorismen_1892_2
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| - | Hitschmann, Friedrich: Aphorismen. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, | + | Hitschmann, Friedrich: Aphorismen. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, |
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| ===== Aphorismen. ===== | ===== Aphorismen. ===== | ||
| - | Gute Einfälle sind wie die Treffer im Lotto, von denen einer\\ | + | Nichts ist so gemein, daß es nicht veredelt und nichts so edel,\\ |
| - | auf hunderte Nieten kommt. | + | daß es nicht entweiht werden könnte. |
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| - | Gedankensplitter sind die Zinsen eines geistigen Capitals, aber\\ | + | Fleck bleibt Fleck, und wär’ er auch von Rosenöl verursacht. |
| - | wer vom Capital selbst zehrt, dem wird es bald keine Zinsen mehr\\ | + | |
| - | bringen. | + | |
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| - | Viele Leute glauben satirisch zu sein und sind nur grob. | + | Die Werthschätzung der Frau ist der Prüfstein des Mannes. |
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| - | Manchen Menschen stehen ihre Fehler besser, als anderen ihre\\ | + | Der Witz ist die Würze des Gesprächs; aber zu viel Würze\\ |
| - | Tugenden. | + | verdirbt auch die beste Speise. |
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| - | Trotz seiner Dummheit wird der geduldige Esel sehr geschätzt,\\ | + | Vollkommene Menschen kommen nur in gewissen Romanen vor,\\ |
| - | besonders von den Müllern. | + | die eben darum sehr unvollkommen sind. |
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| - | Die Frau möchte uns immer zärtlich, die Gesellschaft immer\\ | + | Ein gutes Compliment ist ein solches, dem man nicht anmerkt,\\ |
| - | geistreich sehen, wer könnte das leisten? | + | daß es ein Compliment ist. |
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| - | Vom Erhabenen zum Lächerlichen | + | Ein Kuß ist ein Liebeslied ohne Worte. |
| - | ist der Fehltritt, der den Wanderer vom Gipfel des Berges in den\\ | + | |
| - | Abgrund stürzt. | + | |
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| - | Das Unglück macht den Starken stärker, den Schwachen schwächer. | + | Das Leben eines Genußmenschen gleicht einer Havannah; beide\\ |
| + | sind duftig und kostspielig und beide gehen schließlich in Rauch auf. | ||
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| - | Wenn der Kukuk sein Ei in fremde Nester legt, so hat er darin\\ | + | Wenn Du mit dem Leben spielst, so wird das Leben bald mit\\ |
| - | nichts | + | Dir spielen. |
| - | Eier nach dem eigenen Neste schleppen. | + | |
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| - | Gut Ding will Weile, allerdings | + | Die Langeweile gleicht gewissen Giften: wie diese den Körper\\ |
| + | tödten, so zerstört sie den Geist langsam, aber unfehlbar. | ||
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| - | Der Fleißige begreift nicht, wie man faul, der Faule nicht,\\ | + | Die meisten Laster sind nur übertriebene Tugenden. |
| - | wie man fleißig sein kann. | + | |
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| - | Complimente sind wie schlechtes Geld mit Zwangscurs, alle\\ | + | Ein Kuß ist oft der Anfang vom Ende. |
| - | Welt erkennt ihre Nichtigkeit, | + | |
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| - | Erkenne Dich selbst, sagt man sich oft in unseren Tagen, aber\\ | + | Vergessen können ist ein großes Glück, vergessen werden ein\\ |
| - | man fügt hinzu, tout comprendre c’est tout pardonner. | + | großes Unglück. |
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| - | „Elendes Machwerk, | + | Ein gut’ Theil Lebenskunst besteht darin, Kleinigkeiten |
| - | und ihm dabei den Schmelz von den Flügeln wischte. | + | zu erkennen |
| **Wien.** \\ | **Wien.** \\ | ||
friedrich_hitschmann_-_aphorismen_1892_2.1779885444.txt.gz · Zuletzt geändert: 2026/05/27 12:37 von Daniel Schönfeld