Hitschmann, Friedrich: Aphorismen. In: Lecher, Zacharias Konrad (Hrsg.): An der schönen blauen Donau, Titelzusatz Beilage der »Presse«, 19. Heft, S.453. Wien, 1. Oktober 1892.
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Aphorismen.
Die Liebe ist die Würze des Lebens. Die Würze der Liebe aber
ist die Eifersucht.
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Es gibt keine natürliche Koketterie, weil es keine kokette Natur gibt.
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Die Reue ist das schärfste aller Gifte, es wird aus den Unthaten
der Menschen gewonnen.
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Der Selbstmörder ist ein Schuldner, der seine Schuld einlöst,
ehe sie fällig ist. Was sollte der Gläubiger dagegen einzuwenden haben?
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Es gibt eine Art von Galanterie, die den Mann zum Kind und
das Weib zur Puppe erniedrigt.
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Wer etwas scheinen will, was er nicht ist, muß etwas sein, was
er nicht scheinen will.
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Nicht nur das Reden, sondern auch das Hören, nicht nur das
Schreiben sondern auch das Lesen ist eine Kunst.
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Die Liebe als Kunst treiben heißt sie entwürdigen. Denn wenn
die Liebe nicht Natur ist, so ist sie ein Unding.
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Es ist das Wichtigste aller Talente, seine Talente zur Geltung
zu bringen.
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Unser Leben ist voll von Enttäuschungen und nur das Ende
sollte keine sein?
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Reisen heißt für den Pessimisten, sich überzeugen, daß Welt und
Menschen nirgends besser sind als daheim.
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Stammbücher sind die Friedhöfe der Freundschaft und die Denk-
sprüche die Leichensteine darauf.
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Der Glückliche wird das Schicksal immer gerecht, der Unglück-
liche immer ungerecht finden.
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Mancher sieht seinen höchsten Reichthum in der Ehre, die Mehr-
zahl aber ihre höchste Ehre im Reichthum.
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Es ist ein Vorzug des Alters, ohne Opfer tugendhaft sein zu können.
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Die Unmäßigkeit ist die Brücke, welche Tugend und Laster
verbindet.
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Es ist das Merkmal eines edlen Rausches, daß ihm keine Er-
nüchterung folgt.
Wien.
Friedrich Hitschmann.